Der Fußverkehrs-Check : Stadt aus Fußgängerperspektive

 

Gehen ist die Basis-Mobilität

Hindernislauf

Gehen ist ein­fach, billig, leise, klima­neutral und gesund­heits­förderlich. Jeder durch­schnitt­lich gesunde Mensch kann es und tut es gerne. Und alle tun es: Egal welches Verkehrs­mittel auch gewählt wird, es beginnt immer mit einem Gang hin zum Fahr­zeug. Auch die letzte Wege-Etappe vom Fahr­zeug zum Ziel­punkt wird wieder zu Fuß zurück. Oder der Weg wird in Gänze zu Fuß absolviert.
Und doch: All zu oft wurde das Gehen stiefmütterlich behandelt in der Verkehrs- und Stadtplanung.

 

Das Gehen braucht Fürsprecher

HindernislaufIn den 1970er Jahren wurden in den deutschen Städten noch etwa 45 % aller absolvierten Wege zu Fuß begangen – inzwischen ging dieser Anteil auf ungefähr 25 % zurück. Doch das Blatt wendet sich. Immer mehr Kommunen erkennen die Trendwende und gestalten sie aktiv mit: Das Gehen erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance. Insbesondere in jenen Städten, die in der Stadt­entwicklung progressive Maßstäbe setzen, erhalten die Fußgänger eine besondere Wertschätzung, wird das Gehen als zentrale Stellschraube für eine lebens­werte Stadt in den Vordergrund gerückt. Der Fußverkehrs-Check ist hierbei eine hilfreiche und zugleich relativ einfache Methode, um zu behebende Missstände aufzuzeigen. 
 

Der Fußverkehrs-Check

Die Benutzbarkeit der Stadt speziell aus der Perspektive der Fußgänger steht im Fokus von sogenannten Fußverkehrs-Checks (auch Audits genannt). Es handelt sich dabei zumeist um Momentaufnahmen, die auch ohne aufwendige Verkehrszählungen oder statistische Erhebungen zu sehr brauchbaren Ergebnissen kommen. Eine einzelne Person oder eine Gruppe geht hierzu entlang von Straßen und Plätzen und beobachtet aufmerksam die Gegebenheiten und Qualitäten des öffentlichen Raumes – und achtet insbesondere auf Schwachstellen des Fußwegenetzes. Die aufgefundenen Missstände und Besonderheiten werden protokolliert und mit Fotos und eventuell mit Interviews von Passanten oder Anwohnern ergänzt. 

Am roten Band Atelier Latent führt seit Jahren derartige Fach-Checks durch, mehr­fach im Namen des Fach­verbands für Fuß­verkehr Deutsch­land (FUSS e.V.), oder auch als öffentliche Veranstaltung zur Sensibilisierung für dies Thema, beispielsweise für die Bundesstiftung Baukultur.
In Leipzig konnte wiederholt Oberbürgermeister Burkhard Jung zu einem solchen Rundgang „Fußgängerfreundliche Stadt“ gewonnen werden. Neben vielen Mängeln wurde auch eine gute Tat deutlich: Ein sanierter Gehweg wurde feierlich seiner Bestimmung übergeben (vgl. Foto; rechts vorheriger Zustand). Von Politik und Verwaltung werden solch kleine Aufgaben häufig vernachlässigt – im Alltag der Menschen sind aber gerade diese tagtäglich ärgerliche Stolperfallen. Turnusmäßig wiederholte Fußverkehrs-Checks bringen solche vergessenen Ecken zurück auf die To-Do-Listen. Fußverkehrs-Checks sind nicht selten der erste Schritt und zugleich wesentlicher Bestandteil einer Strategie für eine fußgängerfreundlichere Stadt.

Weiterführende Informationen zu möglichen Formaten und methodischen Ansätzen finden sich auf den Internetseiten von FUSS e.V.walk-space.at und Fussverkehr Schweiz.