Zur Kultur des Gehens

Leipzig. Eine Serie aus vier Abendspaziergängen feiert das Gehen als Ausdruck eines Lebensstils, der etwa in Leipzig seit über dreihundert Jahren Tradition hat. Anlässlich der Europäischen Woche der Mobilität bringen diese Schritte in Erinnerung, dass das Gehen klimaneutral und auch diejenige „Verkehrsart“ ist, durch welche die Stadt umso attraktiver wird, je mehr davon stattfindet. Zugleich ist das Gehen die einfachste und unmittelbarste Art, die Stadt für sich zu erkunden und darüber am öffentlichen Leben teilzuhaben. Jeder der vier Abendspaziergänge folgt einem Thema;
Beginn ist immer auf dem Burgplatz Leipzig, immer um 18.00 Uhr

Philosophie des Gehens | Dienstag, 18.09.2018
„Im Gange liegt etwas, das meine Gedanken weckt und belebt.“ (Jean-Jacques Rousseau) Viele Philosophen haben es beteuert: Das Gehen befördert das Denken. Dabei es ist denkbar einfach, diese Quelle für sich selbst zu erschließen: Aufstehen und losgehen. Und siehe da, schon geht man. Und von da an kann man diese Sache – das Denkengehen – ein wenig selbst seinem Lauf überlassen. Ergo: Wir gehen nicht wohin – wir gehen. Aus purer Freude am Gehen. Oder etwa aus Notwendigkeit – wie Nietzsche – weil wir nur im Gehen erst Denken können? Leichtfüßig geht es entlang diesem Gedankengang. Talk-Gast: Rainer Totzke, Philosophie-Performer

Strategisches Grün | Mittwoch, 19.09.2018
Im Jahr 1912 erfolgten in Leipzig erstmals Überlegungen zu einem gesamtstädtischen Grünplan – am Rande einer Planung, welche die sich abzeichnenden Verkehrsprobleme lösen sollte. Stadtrat Hubert Ritter arrangierte in den 1920er Jahren dies im Generalbebauungsplan noch geschickt. Später agierten Verkehr und Stadtgrün eher in Konkurrenz, wobei letzteres dabei buchstäblich unter die Räder geriet. Doch Natur ist – wie auch deren Fürsprecher – widerspenstigund beharrlich. Sie findet sich selbst in den Pflasterritzen auf den vonder Zivilisation abgeschnittenen Verkehrsinseln. Um Strategien für Freiräume, die mehr sind als nur Straßenbegleitgrün, soll es entlang des Weges gehen. Talk-Gast: Peter Fibich, Landschaftsarchitekt

Orte und Nicht-Orte | Donnerstag, 20.09.2018
Im Zuge der pausenlosen Mobilität können alle überall sein, zugleich kennt man immer weniger seinen Ort. Vertraut sind uns die Gesten des Unterwegseins, die durchzogen sind von Phasen des Wartens, von zwangsweisem Nichtstun und „rasendem Stillstand“. Zugleich entstanden Räume, die kaum jemand wirklich betrachtet, etwa Parkhäuser oder Unterführungen. Übersehene Räume. Kann man da spazierengehen? Wir werden einen neu errichteten Nicht-Ort aufsuchen – den Busbahnhof? Talk-Gast: Arnold Bartetzky, Architekturkritiker und Kunsthistoriker

Mit den Füßen lesen | Freitag, 21.09.2018
Jeder Bewohner einer Stadt ist ein lokaler Experte und kann ein paar Zeilen einbringen in die große Erzählung zu eben dieser Stadt. Wir wollen in dieser Erzählung lesen – mittels unserer Füße, auch zwischen den Bauzeilen. Alle Teilnehmenden können ein Ziel vorschlagen, jedoch das Los entscheidet, welche Orte aufgesucht werden und für welche Geschichte dadurch die Erinnerung aufgefrischt werden soll.

Gestaltet werden die Spaziergänge von Bertram Weisshaar, in Kooperation mit der Leipziger Ortsgruppe von FUSS e.V.. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos; ein freiwilliger Eintritt/Spende für FUSS e.V. ist erwünscht.
Das gesamte beachtenswerte Programm zur Europäischen Woche der Mobilität in Leipzig findet sich hier zum >Download