Von hinten


Keiner, der sie nicht kennt: Die Fußgängerzone. Und kennt man eine, dann kennt man fast schon alle. Ist das wirklich so? Maximal zur Hälfte trifft dies zu. Denn nur die Fassaden nach Vorne scheinen global austauschbar, folgen aller Orten den selben Corporate Identity Vorgaben. Ganz anders die Fußgängerzonen von hinten. Hier herrscht ungeschminkter Wildwuchs, darunter auch Auswüchse und Geschwüre. Oft ist ablesbar, wie die Gebäude erweitert oder angepasst wurden, wie die Stadt nach innen gewachsen ist. Allerdings findet sich hier nix, was für eine Imagebroschüre taugen würde. Immer möchte man da nicht hinschauen müssen – und doch bleibt gerade dies den unmittelbaren Anwohnern und/oder den Beschäftigten nicht erspart. Hingegen einmal einen Spaziergang entlang der Rückseiten zu unternehmen, ist sehr kurzweilig. Besonders werktags zwischen 9 Uhr und 11 Uhr kann dies lehrreich werden: Überall wird hektisch angeliefert, wird Müll gesammelt und werden die Spuren der Nacht entfernt. Und selbst das Fußgänger-Reservat zwischen den Glitzer-Fassaden gleicht fast wieder einer echten Straße: Alle Verkehrsteilnehmer verhalten sich – ohne dass sie es bewusst bemerken – nach den Regeln des Shared Space.

Hier ein Blick auf die Rückseite der Stuttgarter Königstraße und angrenzender Bereiche, fotografiert von Bertram Weisshaar im Rahmen des Workshops »Stuttgart – Von der Autostadt zur Bürgerstadt« im November 2011.