Rückblick auf die Zukunft

Dessau. Die TRIENNALE DER MODERNE rückt alle drei Jahre die Architektur der Moderne in den Fokus der Öffentlichkeit. Ausgangspunkt sind die UNESCO-Welterbestätten in den Städten Berlin, Dessau und Weimar. Das Programm der Triennale 2016 bezieht sich auf den Aspekt der Freiräume in der Architektur von Walter Gropius: „Licht, Luft und Sonne waren der Inbegriffe für die Architektur der Moderne, die den Menschen von allem historischen Ballast befreien und für jede soziale Schicht Gültigkeit haben sollten. […] So wurde die architektonische Formensprache auf das Wesentliche reduziert, um maximale Freiräume zu erzielen. Innen- und Außenräume wurden neu in Beziehung gesetzt.

Wie vielfältig dabei das Spektrum an Gestaltungsaufgaben- und lösungen war, lässt sich beispielhaft an den Dessauer Bauhausbauten von Walter Gropius erleben. Bis heute sind Transparenz und Klarheit die herausragenden Merkmale …“ Soweit die tradierte Geschichtsschreibung. Doch wie sieht die seinerzeit gebaute Zukunft neun Jahrzehnte später nun aus? Und welche Versprechungen und dem Bauhaus entgegengebrachte Polemik haben sich eingelöst oder aber aufgelöst? Zwei von Atelier Latent gestaltete Talk Walks nähern sich diesen Perspektiven:

TALK WALK »Rückblick auf das neue Siedeln«

Dieser Walk durch die Siedlung Dessau-Törten richtet den Fokus auf die Gärten, gehört doch zu jedem Haus ein Garten von ca. 400 qm, um im Sinne einer „halbländlichen Siedlung“ die Lebenshaltungskosten zu senken, durch eigenen Obst- und Gemüseanbau sowie Kleintierhaltung. Die Bewohnerstruktur wies in den 1930er-Jahren denn auch einen überwiegenden Anteil der unteren bis mittleren Einkommensschichten auf. Doch kaum jemand möchte arm leben und so hat sich einiges verändert.
Sa., 24.09. & So., 25.09.2016

TALK WALK »Mit Erfolg gescheitert. Gescheitert zum Erfolg«
Das (historische) Bauhaus bestand nur 14 Jahre. Zweimal konnte es seine Weiterexistenz durch den Umzug in eine andere Stadt retten. Doch zuletzt, in Berlin im April 1933 wurde das Bauhaus auf Veranlassung der Dessauer Staatsanwaltschaft durchsucht und wegen angeblich entdecktem kommunistischen Propagandamaterials versiegelt, worauf es sich kurz darauf selbst auflöste. Die Nationalsozialisten hatten damit das längst international erfolgreiche Bauhaus zur Strecke gebracht. Dieser Walk durch die Dessauer Innenstadt rekapituliert einige Stationen der Nazi-Agitation, die „eine der markantesten Stätten jüdisch-marxistischen ‚Kunst′-Willens von deutscher Erde verschwinden“ lassen wollte. So wurden beispielsweise in Dessau bereits im Juli 1933 in einem Schaufenster Bauhausbilder als „entartete Kunst“ ausgestellt – bereits vier Jahr bevor sich dieses Spektakel in München wiederholte.
Sa., 24.09. & So., 25.09.2016

 
 
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